Die Märchenbühne Klagenfurt - Märchen für Kinder

Das Waldhaus

Da ging das Mädchen auf gut Glück immer fort, bis die Sonne sank und die Nacht herein brach. Die Bäume rauschten in der Dunkelheit, die Eulen schnarrten, und es fing an, ihm Angst zu werden. Da erblickte es in der Ferne ein Licht und ging darauf zu. Nicht lange, so kam es an ein Haus, dessen Fenster erleuchtet waren. Es klopfte an und eine raue Stimme rief von innen „herein“, und als es öffnete, saß da ein alter, eisgrauer Mann an dem Tisch, hatte das Gesicht auf beide Hände gestützt, und sein weißer Bart floss über den Tisch herab, fast bis auf die Erde. Am Ofen aber lagen drei Tiere, ein Hühnchen, ein Hähnchen und eine bunt gescheckte Kuh. Das Mädchen erzählte dem Alten sein Schicksal und bat um ein Nachtlager. Der Mann sprach
„schön Hühnchen,
schön Hähnchen,
und du schöne, bunte Kuh,
was sagst du dazu?“

„duks!“ antworteten die Tiere: und das musste wohl heißen „wir sind es zufrieden“, denn der Alte sprach weiter „hier ist Hülle und Fülle, geh hinaus an den Herd und koch uns ein Abendessen.“


Drei Töchter machen sich hintereinander auf den Weg, um ihrem Vater, der im Wald arbeitet, sein Mittagessen zu bringen. Alle drei verirren sich und werden in dunkelster Nacht von einem Licht angezogen. Es ist das hellerleuchtete Waldhaus. - Ein Hoffnungsschimmer, der gerade dort auftaucht, wo Verzweiflung und Not herrschen und alles verloren scheint.
In der Folge wird jede der drei Schwestern von einem alten, eisgrauen Mann in die Stube eingelassen und aufgefordert, ein Abendessen zu bereiten.
Dass es sich dabei um eine Prüfung handelt, ahnen die Mädchen nicht.
Die ersten beiden Schwestern, die ins Waldhaus kommen, haben nur das eigene Sattwerden im Sinn. Die drei Tiere, die sich außer dem Alten noch im Raum aufhalten, ein Hühnchen, ein Hähnchen und eine bunt gescheckte Kuh, bemerken sie gar nicht. Erst die Jüngste, die liebste Tochter, die „klug und verständig“ ist, nimmt wahr, was über ihr eigenes Bedürfnis hinaus nottut: Sie begrüßt zuallererst die Tiere, füttert sie, kocht dann für sich und den Alten und isst, was er ihr übrig gelassen hat.

Das Bild spricht eine deutliche Sprache und braucht nicht weiter interpretiert zu werden. Auf einfache, klare und berührende Weise erzählt das Märchen von der Liebe, die sich in Mitgefühl und Fürsorge für andere Wesen ausdrückt und zeigt in einer gewaltigen Schlussszene, wie die Welt durch diese Tugenden tatsächlich verändert werden kann.

 

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